Die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung

 

Ich habe eine Gesellschaft nach dem GmbH-Gesetz gegründet, die u. a. zukünftig auch den Vertrieb meiner Software übernehmen wird. Damit andere, die ähnliches vorhaben, einen Einblick bekommen, wie die Gründung heutzutage ablaufen kann – auch im zeitlichen Hinblick – habe ich hier einmal aufgeschrieben, wie die Gründung der Gesellschaft mit beschränkter Haftung bei mir ablief.

Vorbereitende Maßnahmen wie Überlegungen zum Business-Plan, Geschäftsmodell usw. bleiben außen vor, da dieses individuell jeder Gründer selbst vornehmen muss.

Bei mir lagen die Prämissen darin, dass die GmbH nur geringen Kapitalbedarf hat, daher als haftungsbeschränkte Unternehmergesellschaft firmieren wird. So entstand die heute bestehende proWeser UG (haftungsbeschränkt) mit Sitz in Hameln. Die Gründung selbst sollte nach dem Musterprotokoll erfolgen, da dieses für mich ausreichend erschien (keine weiteren Anteilseigner) und dieses deutliche Kostenvorteile gegenüber einem individuellen Gesellschaftsvertrag hat.

Außerdem ist mit dem Musterprotokoll die sogenannte Gründung in einem Tag möglich. Haha. Selten so gelacht. Polartag oder so war damit wahrscheinlich gemeint 😉

07.03.2012 Anfrage wegen eines Notartermins beim Anwaltshaus 1895 in Hameln.

14.03.2012 Nachhaken meinerseits, weil bislang keine Reaktion seitens der Kanzlei.

16.03.2012 Noch immer keine Reaktion vom Anwaltshaus 1895, also wollen Sie mich vermutlich nicht als Klienten. Wäre es eine kleine Kanzlei, hätte ich ja telefonisch nochmal nachgefragt (könnte ja auch Urlaub oder so sein), aber bei der vermutlich größten Gemeinschaftskanzlei Hamelns mit mehreren Anwälten und Notaren sowie Angestellten darf es nicht passieren, dass tagelang nicht auf E-Mails reagiert wird. Also habe ich bei einem anderem Notar, Udo Woltemate, angefragt und dabei auf eine Gründung mit Musterprotokoll für eine Einpersonengesellschaft hingewiesen.

19.03.2012 Termin mit dem Notar auf den 28. März 2012 vereinbart und alle persönlichen und unternehmensrelevanten Daten per E-Mail zu seiner Kanzlei gesandt.

22.03.2012 Eine E-Mail vom Notar mit dem Vertragsentwurf zur Kontrolle erhalten. Dieser Entwurf weicht zumindest in Einzelheiten vom Musterprotokoll ab, sodass ich hier korrigierend eingreifen bzw. nachhaken musste. Insbesondere ein gegenüber dem offiziellen Musterprotokoll veränderten Punkt 5 musste ich beanstanden, sieht das Original doch vor, dass die zu gründende Gesellschaft die Gründungskosten bis zu einem Betrag von 300 EUR übernimmt, während der Notarentwurf hier nur die Kosten bis 100 EUR vorsieht. Dieses ist für mich jedoch nicht akzeptabel, genauso wenig wie es die Abweichung vom Musterprotokoll überhaupt ist (individuelle Verträge sind teurer, für mich aber nicht sinnvoll). Vielleicht ist es aber auch nur ein Versehen gewesen, auch Notare bzw. deren Angestellte sind nur Menschen und können Fehler machen. Also besser mal nachgefragt.

28.03.2012 Termin beim Notar zur Beurkundung des Gesellschaftsvertrags. Es hatte sich bei den Fehlern vom 22. tatsächlich um Übertragungsfehler gehandelt, da der Notar seiner Aussage nach zum ersten mal mit dem Musterprotokoll für eine Einpersonengesellschaft zu tun hat und entsprechend die Texte noch nicht „auf Lager“ hatte. Mit der Unterzeichnung des Musterprotokolls ist die proWeser UG (haftungsbeschänkt) i. G. begründet und könnte theoretisch schon Geschäfte vornehmen. Aus Haftungsgründen verzichte ich jedoch wohlweislich bis zur Eintragung in das Handelsregister darauf.

03.04.2012 Termin bei der Volksbank Hameln-Stadthagen. Eigentlich war ich etwas angesäuert, weil ich ein paar Tage vorher nur Preisinformationen haben wollte, was es angeblich für Geschäftskonten nicht gibt. Irritierenderweise hat mir die nette junge Dame, mit der ich heute den Termin hatte, genau dieses in die Hand gedrückt – und zwar als Standard-Flyer. Fand ich fast schon wieder lustig. Laut Preisliste ist das Konto bis 20 Buchungen/Monat günstiger als das preiswerteste Konto bei der Commerzbank, da die Posten mit 0,22 € bzw. 0,21 € zwar teurer sind, die Grundgebühr mit 3,00 € / Monat dafür aber preiswerter ist (zum Vergleich bei der Commerzbank 5,90 €/Monat Grundgebühr, Buchungsposten 0,09 €; alternativ das „große“ Konto mit Flatrate für 13,90 € im Monat, lohnt sich aber erst ab ca. 90 Posten im Monat). Nachteil allerdings: Eine ec-Karte kostet bei der Volksbank extra, dafür ist das mTAN-Verfahren für das Online-Banking ohne Extrakosten dabei.

04.04.2012 Die erste Rechnung an die proWeser UG (haftungsbeschränkt) i. G. ist da. Vom Notar. 21,90 € für die Beurkundung des Musterprotokolls nebst Schreibgebühren und Mehrwertsteuer. Der Rechnung lag auch eine beglaubigte Abschrift des Protokolls sowie eine einfache Abschrift zum Verbleib bei, ebenso wie der Entwurf zur Anmeldung beim Handelsregister.

05.04.2012 Geplante Kontoeröffnung bei der Commerzbank-Filiale in Hameln. Die eigentlich gewünschte Agrarbank eröffnet leider nur Konten für bereits eingetragene Gesellschaften, die Volksbank ist mir dann doch zu teuer. Immerhin bietet die Commerzbank das Konto für sechs Monate kostenfrei an, mal schauen, wie zufrieden ich bin – vielleicht bleibe ich ja auch bei ihr, wenn nicht, wird gewechselt. Einen Vergleich wird es in jedem Fall geben.
Zur Eröffnung ist es übrigens nicht gekommen – denn die Systeme der Commerzbank haben gestreikt. Ein Fehler im EDV-System führte dazu, dass an diesem Gründonnerstag keine Konten eröffnet oder neue Kunden angelegt werden können. Mit dem freundlichen Herrn (immerhin mit Prokura versehen) der Commerzbank Hameln vereinbart, dass ich am Dienstag nach Ostern zwecks Unterschrift wiederkomme.

10.04.2012 Das Konto bei der Commerzbank wird mit meiner Unterschrift eröffnet. Habe selten derart viele Unterschriften gleichzeitig tätigen müssen, wie hier.

11.04.2012 Überweisung des Stammkapitals.

12.04.2012 Gutschrift des Stammkapitals auf dem Konto der Commerzbank ist erfolgt. Notar informiert, der weilt im (verdienten?) Osterurlaub. Kommt ja nicht auf ein paar Tage an.

16.04.2012 Neuer Termin beim Notar zwecks Anmeldung zum Handelsregister B in Hannover.

18.04.2012 Nächste Rechnung vom Notar. 18,35 Euro.

21.04.2012 Es kommt eine Rechnung vom Amtsgericht Hannover – Registergericht über 150 EUR für die Eintragung ins Handelsregister und 1 EUR für die Veröffentlichung im Bundesanzeiger. Die Eintragung erfolgt erst nach Feststellung des Zahlungseingangs. Interessant: Die Rechnung ist an die UG gerichtet, nicht an die UG in Gründung. Egal, die Rechnung wird sofort überwiesen.

26.04.2012 Eintragung im Handelsregister erfolgt. Es entfällt somit das „i. G.“ und die proWeser UG (haftungsbeschränkt) ist geboren und endlich handlungsfähig. Eine Mitteilung darüber erhalte ich nicht, auch findet die Veröffentlichung noch nicht statt. Ich weiß also gar nicht, dass die Gesellschaft nun eingetragen ist.

02.05.2012 Die Eintragung wird veröffentlicht. Auf diesem Weg erfahre auch ich davon, eine offizielle Mitteilung auf dem Postweg gibt es aber bislang nicht.

07.05.2012 Erhalt der Eintragungsbestätigung. Mit Poststempel vom 02.05., geliefert mit der Citipost. Die Deutsche Post ist zwar teurer, dafür aber schneller.

08.05.2012 Der erste Spam liegt im echten Postkasten. Ein Steuerberater will mir seine Dienste verkaufen. Ähnliches (wie auch Gewerbeauskunftsdienste, die naive Gründer reinzulegen versuchen) erwarte ich für die nächsten Tage und Wochen auch noch.

Soweit erst einmal bis hierhin. Einige Angaben (z. B. Bescheide und Steuernummern vom Finanzamt, Bestätigung der Gewerbeanmeldung) fehlen zurzeit noch, entsprechend werde ich diesen Artikel zu einem späteren Zeitpunkt aktualisieren.

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