Mehrwertsteuer? Das kommt 1&1 teuer!

Wie ja jeder von uns mitbekommen hat, ist in Deutschland der allgemeine Umsatzsteuersatz von 16% auf 19% gestiegen. Perfide ist diese Erhöhung, wenn sie rückwirkend wirkt, also in allen Fällen von Dauerschuldverhältnissen. Diese gelten nämlich vor dem Gesetz als am letzten Tag ihrer Gültigkeit als erbracht. Hat man also eine Rechnung über z. B. Hosting einer Website im Mai 2006 für den Zeitraum 05.06 – 04.07 erhalten, wurde diese damals mit 16% fakturiert. Da dieses Schuldverhältnis aber erst 2007 endet, gilt die Leistung als 2007 erbracht, muss also mit 19% nachfakturiert werden. Immerhin erlaubt „Vater Staat“ ausnahmsweise die Splittung dieser Leistungen per Jahreswechsel, d. h. der bereits 2006 erbrachte Anteil darf weiterhin mit 16% fakturiert werden, nur für den 2007er Anteil müssen 19% an die Bundesrepublik Deutschland abgeführt werden.

Der Unternehmer hat in einem solchen Fall zwei Möglichkeiten, wie er damit umgeht: Er könnte alles beim Alten lassen und zahlt die Differenz zwischen 16% und 19% für das Jahr 2007 aus der eigenen Tasche. Oder aber er schreibt seinen Kunden neue Rechnungen und belastet den Differenzbetrag nach.

Der kluge Unternehmer würde ökonomisch denken und das jeweils geringere Übel nehmen: Bei Beträgen, für die der Verwaltungsaufwand (z. B. Versandkosten, Inkassokosten) höher als der Differenzbetrag ist, wird dieser Unternehmer die drei Prozentpunkte aus eigener Tasche zahlen und den Kunden in Ruhe lassen. Nur bei deutlich höheren Beträgen würde der Kunde nachbelastet werden (was im Übrigen nichteinmal zu einem außerordentlichen Kündigungsrecht des Kunden führt, außerdem kann der Kunde der Rechnung in den meisten Fällen auch nicht widersprechen, wenn diese vor Bekanntgabe der Umsatzsteuererhöhung erstellt wurde).

1&1 scheint nicht zur Gruppe der klugen Unternehmen zu gehören. Zumindest bekommen Kunden dieses Anbieters in diesen Tagen mehrere Briefe von 1&1, je nach Anzahl der Verträge zwei oder ein Vielfaches davon: Eine Gutschrift über den gesamten Rechnungsbetrag, sowie eine neue Rechnung, die nun den Teil für 2006 mit 16%, den Teil für 2007 mit 19% Umsatzsteuer belastet. Sicherlich wird 1&1 ob seiner Größe für den Postversand günstigere Tarife haben, als der gewöhnliche Kleinkunde. Der Einfachheit halber wollen wir dennoch mal von 55 Cent für den einfachen Brief rechnen. Dann hätten wir nur an Portokosten für diese Aktion mindestens 1,10€ – die Kosten für die beiden Umschläge und das Inkasso nicht eingerechnet. Und das für eine Differenz von 0,01€, wie sich aus Rechnung und Gutschrift ergibt…

Ach ja, berechtigt ist diese Nachberechnung übrigens nicht: Da die Domain pothe.de, für die hier der eine Cent nachberechnet wird, bereits im Dezember zu einem anderen Anbieter umgezogen ist, endete auch die Dauerleistung im Dezember, d. h. die Gesamtleistung ist 2006 erbracht worden und somit vollständig mit 16% zu versteuern. Aber ich will wegen eines einzigen Cents 1&1 nicht mit Tatsachen verwirren. Das könnte bei den Leistungen der 1&1-Mitarbeiter gehörig ins Auge gehen

2 thoughts on “Mehrwertsteuer? Das kommt 1&1 teuer!”

  1. Hi,

    auch wenn du die Portierung vorher gemacht hast, hat 1&1 mit der Rechnung Recht:

    Sie Berechnen die Vertragliche Leistung, sprich den Zeitraum der Mindestvertragslaufzeit.

    Wenn du jeden Monat wechseln würdest, müsstest du für eine Domain auch 12 x Zahlen!

  2. Das schon, aber darum ging es ja gar nicht in diesem knapp 2 Jahre alten Beitrag. Davon abgesehen hat 1&1 den berechneten Cent nicht eingezogen. Vermutlich wollten sie dann nicht auch noch Bankentgelte bezahlen 😉

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